Erfahrungsbericht - VKB Ruptur von Josef Hirn

Unfallhergang:

Snowboard Sturz: Bei hoher Geschwindigkeit über einen Kicker habe ich in der Luft die Lage verloren und bin mit voller Wucht aus ca. 3m Höhe auf mein fast komplett gestrecktes vorderes (rechtes) Bein gelandet. Bei der Landung hatte ich das Gefühl als ob es mir die äußere Sehne im Knie raus-sprengen würde. Danach konnte ich zwar selbst aufstehen aber alleine Gehen war nicht mehr wirklich möglich.

Erstversorgung:

Ich ging direkt nach dem Unfall im Skigebiet zu einem Arzt. Dieser führte den Schubladen Test (Lachmann Test) durch und war sich nicht sicher, ob das Kreuzband gerissen ist, oder nicht. Er gab mir zwei Krücken und wies mich an in ein Krankenhaus zu fahren. Ich fuhr gleich im Anschluss in das nächste Krankenhaus. Dort wurde ein Röntgen durchgeführt, um knöcherne Verletzungen ausschließen zu können. MRT wurde leider keines gemacht, da man dafür mehrere Wochen Wartezeit hat. Der Arzt führte wieder einen Lachmann Test sowie weitere Tests durch, um die Kniestabilität zu überprüfen. Er war der Meinung, dass mein Knie viel zu stabil sei, als dass etwas gerissen sein könnte und diagnostizierte lediglich eine schwere Prellung des Kniegelenkes. Diese Diagnose war zwar sehr erleichternd, doch das Gefühl, dass doch etwas kaputt war blieb bestehen. Ich suchte nach ca- 2 Wochen danach einen Orthopäden auf, der auch skeptisch war bezüglich eines Risses des Kreuzbandes, da er nur minimale Unterschiede zwischen linken und rechten Knie in puncto Stabilität feststellen konnte. Wir beschlossen trotzdem ein MRT machen zu lassen, um sicher zu gehen.

Nach 5 Wochen:Besprechung der MRT Untersuchung mit Orthopäden:

Das vordere rechte Kreuzband ist gerissen, der Synovialschlauch ist erhalten und keine anderen Strukturen sind schwer verletzt. Das Innen sowie das Außenband sind unverletzt. Die Menisken und Knorpel sind unauffällig. Das Knie hat insgesamt eine starke Prellung erlitten sowie konnte ein Trauma im Tractus Iliotibialis festgestellt werden. Im Gelenk selber war zu diesem Zeitpunkt noch viel Flüssigkeit vorhanden (Teil des Heilungsprozesses), was die komplette Beugung sowie Streckung verhinderte. Ich habe mit dem Orthopäden Alternativen abgewogen, und mich entschieden eine konservative Therapie bzw. eine Eigentherapie im Selbstversuch durchzuführen.Ich hoffte durch meine eigene Therapie, dass mein Kreuzband wieder komplett von selbst heilen könnten. Ich hörte von solchen “Wunderheilungen” durch den Physiotherapeuten Mohammed Khalifa. Ich war in Kontakt mit ihm für eine Behandlung, jedoch verweigerte er mich zu behandeln und verwies anhand meiner Schilderung des bisherigen Eigentherapie Verlaufes, dass die Selbstheilung schon voll im Gang sei und er nichts weiter für mich tun könne. Diese Aussage war für mich zu wenig, so entschloss ich mich nach Therapeuten umzuhören die ähnlich wie Khalifa arbeiteten. Ich fand Benno Geissler, einen sehr renommierten und erfahrenen Therapeuten aus Deutschland. Ich ließ mich von ihm einmal behandeln und fühlte direkt nach der Behandlung eine wesentliche Besserung, vor allem in der Streckung meines Knies, die plötzlich fast wieder komplett möglich war.  Benno Geissler ging mit mir auch die MRT Bilder durch und erklärte mir, dass ich keine komplette Ruptur habe, sonder noch einzelne Stränge meines Kreuzbandes vorhanden seien, nur die klassische Orthopädie klassifiziere dies als komplette Ruptur. Also hatte ich sehr große Hoffnungen auf eine Heilung. Diese Behandlung erfolgte 2 Monate nach meinem Unfall. Er löste im Tractus Iliotibialis sowie im Gluteus Medius/ Minimus diverse Traumata und wies mich an, meine Eigentherapie genau so fortzuführen, wie ich dies bisher tat. Nach ca. 5 Monaten begann ich zusätzlich mit einer Physiotherapie, um ein Feedback für meine Arbeit zu erhalten und die letzte Feinabstimmung im Knie wieder zu erlangen. Diese Therapie erstreckte sich über ca. 4 Monate mit 1 Therapie a 30 Minuten alle 10-14 Tage.

Wie es mir heute, knapp ein Jahr nach dem Unfall geht:

Ich merke heute kaum noch etwas von meinem Kreuzbandriss und ich kann so gut wie alle sportlichen Tätigkeiten ausüben, die ich vor dem Unfall ausgeübt habe. Ich bemerke überhaupt keine Instabilität im Kniegelenk, auch nicht wenn ich mein Bein nicht bewusst unter Muskelspannung halte. Sprinten, Schnelle Richtungswechsel, Sprünge etc. ist alles kein Problem für mich. Beim Snowboarden halte ich mich jedoch noch zurück was zu große Sprünge anbelangt, was aber mehr psychisch bedingt ist, da ich trotz des guten Heilungsverlauf meinem Knie noch nicht zu 100% vertraue. Nach intensiven sportlichen Belastungen für die Beine (Snowboarden, Kampfsport, tiefe einbeinige Kniebeugen..) bemerke ich oft noch leichte Schmerzen bzw. eine Spannung im Kniegelenk, was wahrscheinlich bedeutet, dass noch etwas Flüssigkeit vorhanden ist. Außerdem schmerzt nach solchen Anstrengungen manchmal der obere Teil des Unterschenkels (M. Fibularis longus) sowie der Tractus Iliotibialis im Bereich oberhalb des Kniegelenks. Diese Schmerzen werden aber auch immer seltener und ich schätze dass ich in ein paar Monaten wieder da bin, wo ich vorher war. 

„Das richtige Mindset ist die Hauptkomponente – Mind over Matter“

Was habe ich gemacht?

Anmerkung: Alle Maßnahmen habe ich ohne ärztliche/ therapeutische Unterstützung als Eigentherapie mir selbst erarbeitet und identifiziert sowie durchgeführt.

Phase 1: Direkt nach dem Unfall

Ich habe mich 3-4 Tage geschont und habe das verletzte Bein sehr oft hochgelagert. Außerdem habe ich mehrmals am Tag einen Topfen Wickel (Quark) um mein Knie gemacht (das habe ich noch mehrere Wochen beibehalten). Ich habe versucht, so normal wie möglich zu gehen. Beim Treppensteigen achtete ich darauf, dass ich immer wieder zwei Stufen auf einmal nahm, auch mit dem verletzten Bein, und auf eine schöne gerade Beinführung (ich wohne in einer Wohnung im dritten Stock ohne Aufzug, da ist Treppensteigen unausweichlich). Beim Nach unten Gehen auf der Treppe war ich anfangs sehr vorsichtig. Ich ging mit links und rechts zuerst auf dieselbe Stufe und traute mich erst mit der Zeit relativ normal auch hinunter zu gehen.

Wassertherapie:

Da ich 4 Tage nach dem Unfall einen 2 wöchigen Schwimmkurs leiten musste, hatte ich direkten Zugang zu einem Schwimmbad und führte nach den Kurszeiten selbständig eine Wassertherapie durch.Mit einem Aqua Gymnastik Gurt joggte ich im Wasser ca. 20.30 Minute, um das betroffene Gelenk ohne Belastung in einer vollen Bewegungsamplitude bewegen zu können. Anschließend führte ich im brusttiefen Wasser leichte Sprünge aus, beidbeinig und einbeinig. Diese Form der Therapie führte ich noch für ca. 3 Wochen fort.

 

Phase 2: Nach 2-3 Wochen

Mein normales Training (hauptsächlich Calisthenics) führte ich durchgehend weiter fort, ich trainierte jedoch nur den Oberkörper und den Unterkörper rein mit Spannungsübungen. Nach ca. 3 Wochen begann ich aber bereits wieder mit Kniebeugen mit leichtem Zusatzgewicht (Goblets) sowie Ausfallschritten (vor/ zurück sowie seitlich). Bei der Ausführung achtete ich sehr genau auf meine Beinachse und ich drückte bewusst immer mein Knie leicht nach Außen, um die Hüftabduktoren zu aktivieren. Außerdem übte ich die Tiefe Hocke (Deep Squat Position) täglich, was nur unter starken Schmerzen im Knie möglich war. Aber ich wollte die volle Beweglichkeit im Knie so schnell wie möglich wieder erlangen, weil ich wusste, wenn ein Gelenk zu lange nicht über die volle Range of Motion bewegt wird, es später sehr schwierig wird diese wieder zu erlangen. Daneben arbeitete ich auch täglich an der Streckung des Knies, vor allem mit isometrischen Übungen. Die Streckung war allerdings erst nach ca. 6 Monaten wieder komplett möglich, vor allem wegen der Flüssigkeitsansammlung medial unter der Kniescheibe

Phase 3: Nach 2 Monaten:

Zusätzlich zu meinem Training begann ich vermehrt mit Dehnungsübungen sowie mit der Black Roll zu arbeiten. Mit der Black Roll versuchte ich vorrangig die faszialen Verhärtungen im Tractus Iliotibialis zu lösen. Ich führte Dehunübungen vor allem für die Rück- und Außenseite der Beine durch. (Rumpfbeuge, Pancake Stretch, Dehnung der Ischiocruralen Muskulatur mit nicht gestreckten Beinen – so wird der Muskelbauch gedehnt).Außerdem übte ich bewusstes, korrektes Belasten des betroffenen Fuß (Tripod Stellung).

Ich führte dazu folgende Übungen aus:

 

  • Einbein Stand,
  • Einbeinige Deadlifts – mit leichten Gewicht und ohne Gewicht
  • Training der Abduktoren durch Therabänder – Beinheben seitlich, seitliches Gehen in (tiefen) Hocke, etc.

 

Um die hintere Muskelkette und im speziellen die Ischiocrurale Muskulatur zu stärken, diese Muskulatur entlastet das vordere Kreuzband bzw. kompensiert ihre Funktion, begann ich vorsichtig mit Kreuzheben (Rumänisches Kreuzheben) und dem Foundation Training (Dr. Eric Goodman). Zusätzlich begann ich mit Radfahren und leichtem Mountainbiking (Radfahren ist extrem gut für diese Art von Verletzung!). Jedoch vermied ich jegliche Art von Stop and Go Sportarten (Fußball, Volleyball, usw..).

Propriozeptionstraining:

Um die intra und intermuskuläre Koordination sowie meine Tiefensensibilität zu trainieren, kaufte ich mir ein Mini Trampolin und eine instabile Matte (ca- 10cm dick). Das Trampolin war perfekt für mein Knie, weil durch das Auf und Abspringen wurde das Knie abwechselnd einer Kompression sowie Dekompression ausgesetzt. Dadurch konnte das Gelenk bestens mit Nährstoffen versorgt werden. Daneben war das Trampolin sehr gut geeignet, um das Gleichgewicht im Einbeinstand zu üben (Tripod Stellung mit Zehenspitzen angezogen). Ich führte Einbeinsprünge mit abrupten Stehenbleiben oder beidbeinige Sprünge aus sowie lockeres Jogging. Dasselbe gilt für die kleine Matte, auf ihr habe ich Kniebeugen, einbeiniges Kreuzheben und verschiedene andere Übungen durchgeführt die meine Propriozeption verbesserten. Ich führte die Übungen abwechselnd auch mit geschlossenen Augen oder meinem Kopf zur Seite geneigt durch, um die propriozeptiven Elemente in meinem Bein isoliert trainieren zu können.

Phase 3: Nach 3-4 Monaten

In dieser Phase nahm ich allmählich wieder die meisten meiner normalen sportlichen Tätigkeiten neben dem Training auf wie: Tischtennis, Beach-Volleyball, Slackline, Rafting, Kampfsport, Klettern.

ERNÄHRUNGSRATGEBER FÜR EINE OPTIMALE REHABILITATION

Phase 4: Nach 6 Monaten

Nach einem halben Jahr sah ich mich wieder soweit, dass ich mit leichtem Athletik Training beginnen konnte. Ich integrierte 1-2 x pro Woche diverse Übungen mit der Koordinationsleiter, gesprungen Ausfallschritte, Links/ Rechts sprünge einbeinig, Sprinten, usw. Mein Krafttraining für mein Knie sah folgend aus:

 

Kniebeugen, Kreuzheben, Einbeiniges Kreuzheben, Ausfallschritte, Bulgarian Split Squats

In/Out Squats (Trainieren Stabilität der Kniegelenke & Sprunggelenke in allen Lagen), Einbeinige Kniebeugen (Mit Hand an der Wand festhalten um gerade Beinführung in jedem Fall zu gewährleisten!).

 

Es verlief alles relativ gut, nur hatte ich noch ein kleines Problem mit meiner Kniescheibe.

 

Problem: Die Kniescheibe ist in bestimmten Positionen noch nicht in einer Idealposition (Knacksen bzw. Sprung der Kniescheibe zwischen 100 – 130°).  Der Vastus medialis ist in meinem rechten Bein leicht atrophiert im Seitenvergleich zu links. Das ist eine normale Komplikation von einem Kreuzbandriss, jedoch ist dieser Muskel extrem wichtig um die Kniescheibe zu stabilisieren. Daraufhin erarbeitete ich mit meiner Physiotherapeutin gezielte Übungen, um diesen Muskel wieder zu kräftigen.

Phase 5: Nach 8 Monaten

Nach 8 Monaten begann ich wieder mit allen gewohnten sportlichen Tätigkeiten, vor allem mit Surfen und Snowboarden. Jedoch ging ich mit Rücksicht auf die Verletzung relativ behutsam an Snowboarden heran. Ich vermied eine volle 100% Ausreizung der Belastungsgrenzen vor allem bei Sprüngen mit hohen Drehmomenten und Impacts. Das hat grundsätzlich sehr gut funktioniert, bis ich mich beim Tiefschneefahren am Außenband des selben Knies an einem Stein leicht verletzt habe. Diese Verletzung zog sich über den ganzen Winter, aber ich konnte trotzdem fast ohne Einschränkungen Snowboard fahren. Mittlerweile ist das Außenband wieder heil und alles gut soweit. Zu diesem Zeitpunkt habe Ich auch ein Kontroll MRT machen lassen, um zu sehen ob das Kreuzband wieder nachgewachsen ist. Es ist scheinbar vorhanden, zumindest teilweise aber liefert keine Stabilität mehr laut Orthopäden, da es zu locker ist. Meine Kniestabilität ist trotzdem gefühlsmäßig sehr gut, es ist mir nie weggeknickt auch nicht in Momenten der Unachtsamkeit in denen ich meine Beinmuskeln nicht bewusst unter Spannung gehalten habe. Auch der Orthopäde sowie diverse Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler bescheinigten mir, weder durch funktionelle noch durch physiologische Testungen einen objektiven Unterschied in der Kniestabilität von recht und links erkennen zu können.

Phase 6: Nach 10 Monaten

Die Heilung scheint jetzt fast abgeschlossen zu sein. Gefühlsmäßig bin ich jetzt bei 98% von meinem Niveau vor dem Unfall. Durch das gezielte Training der letzten Monate kommt mir mein Knie sogar stabiler als jemals zuvor vor. Ich trainiere mittlerweile weniger spezifisch für mein Knie, jedoch habe ich viele Übungen beibehalten und integriere abwechselnd immer wieder Elemente aus meinem Reha Programm für mein Knie. (Bulgarian Splits, Laterale Ausfallschritte, normale Ausfallschritte, diverse Squat Variationen, In/ Out Squats, Einbeinige Deadlifts, usw.)

Ernährung:

Während meines Reha Prozesses habe ich relativ normal, das heißt so wie ich mich immer ernähre, gegessen. Meine Ernährung besteht aus einer ausgewogenen Mischkost mit ca. 2gr Protein/ kg Körpergewicht, ca. 50 % Kohlenhydraten, 20 % Fetten. Ich esse viele Früchte, Gemüse, Nüssen, Nudeln, Kartoffeln, keine Fertiggerichte, kaum Zucker. Außerdem vermied ich Alkohol während der meisten Zeit, leider nicht immer erfolgreich. Unter keinen Umständen ging ich aber in ein kalorisches Defizit, da der Körper besonders in einer Heilungsphase so einer schweren Verletzung alle Nährstoffe braucht, die er bekommen kann. Zusätzlich zu meiner Ernährung nahm ich folgende Supplemente ein:

 

Vitamin D3, Vitamin K2, MSM, Kollagen 1/2/3, Sango Koralle, Zink, Astaxanthin, Jod;

Psyche:

Ich war von Tag eins der Verletzung zutiefst davon überzeugt, dass mein Knie wieder gesund wird und ich wieder alles so ausüben kann, wie vorher. Mehr noch, ich habe meine Eigentherapie darauf ausgelegt, dass mein Knie stabiler und fitter wird als je zuvor. Viele wollten mir einreden, was nach einem Kreuzbandriss alles nicht mehr möglich wäre, dass man das immer merken würde (Einmal Knie, Immer Knie), ich wollte und will das bis heute nicht glauben. Es ist mein Körper und nur ich weiß (wenn überhaupt) was dieser leisten kann. Ich glaube sehr stark an die Selbstheilungskräfte des Körpers, vorausgesetzt man ist gewillt ALLES ZU TUN WAS NÖTIG IST! Es war für mich ein halbes Jahr meine Hauptpriorität in meinem Leben, dem ich alles untergeordnet habe.

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