Christopher Görwitz im ESP3 – Interview

„Denn ohne eine funktionierende Mannschaft wären selbst Spieler wie Messi oder Ronaldo nicht so erfolgreich, wie sie es heute sind.“

Wie die Arbeit eines Sportpsychologen aussieht, welchen Stellenwert sie besitzt und was du direkt ohne großen Aufwand umsetzen kannst. Sportler werden regelmäßig vor große Aufgaben gestellt, ob sie wollen oder nicht. Gerade im Leistungssport wird deshalb gerne auf die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen zurückgegriffen.

ESP3: Hi Chris, du kommst ursprünglich aus Berlin, hast in Klagenfurt Psychologie studiert und bist nun in München wohnhaft, wo du unter anderem mit dem EHC München und Einzelsportlern unterschiedlicher Sportarten zusammenarbeitest. Wieso gerade (Sport) Psychologie?

Christopher Görwitz: Ja, das stimmt. Mit dem Thema Sportpsychologie hatte ich persönlich als ehemaliger Leistungssportler (Eishockey & Golf) bereits zu meiner aktiven Zeit häufiger Kontakt. Als mir die Option Profisport, aufgrund der Konkurrenzsituation, als zu riskant erschien, überlegte ich mir was beruflich zu mir passen könnte. So kam ich durch die Arbeit mit einem Sportpsychologen selbst zu diesem Berufsbild. Daraus ist quasi die Idee gewachsen. Diese anfängliche Idee musste auch reifen, da das Psychologiestudium mit insgesamt sieben Semestern nicht einfach war. Plötzlich hatte ich Fächer auf dem Lehrplan, die ich von der Arbeit mit meinem Sportpsychologen nicht kannte, wie zum Beispiel Statistik.

ESP3: Gefühlt ist der Stellenwert der Sportpsychologie in den letzten Jahren gestiegen. Allerdings denken viele Sportler immer noch, dass man einen (Sport) Psychologen nur bei schweren mentalen Problemen benötigt. Mit welchen Problemen sind deine Sportler häufig konfrontiert?

Christopher Görwitz: Tatsächlich sind die Sportler, mit denen ich bisher zusammenarbeiten durfte, eher mit alltäglichen Problemen konfrontiert. Schwere mentale Probleme wie der Fall Enke, der sich vor kurzem jährte sind da eher die absolute Ausnahme. Streng genommen bin ich als Sportpsychologe für solch schwerwiegende Fälle auch gar nicht mehr zuständig. Durch ein gutes Netzwerk leitet der Sportpsychologe solche Extremfälle an spezialisierte Berufskollegen, die sich dann weiter damit beschäftigen.

ESP3: Was ist dann die Hauptaufgabe eines Sportpsychologen?

Christopher Görwitz: Die Hauptaufgaben von mir sind zum Beispiel das Coach 2 Coach im Mannschaftssport, Teambuilding und die Vermittlung von Grundlagen. Im Einzelsport liegt der Schwerpunkt dann auf dem Erhalt und Aufbau des Selbstwertgefühls, Konzentration und Zielsetzung. Das ist aber auch abhängig von Leistungsstand und Altersgruppe. Zum Beispiel kommt bei professionellen Athleten der Umgang mit Druck hinzu.

ESP3: Das stelle ich mir gerade im professionellen Mannschaftssport schwierig vor. Dort geht es ja quasi um den Beruf, das Einkommen und viele weitere Faktoren.

Christopher Görwitz: Ja, das stimmt. Bei professionellen Mannschaften fällt oft das Coach 2 Coach weg und wird eher durch simple und grundlegende Werte ersetzt – Zwischenmenschliche Beziehungen werden hierbei zu fördern versucht. So sollte beispielsweise der Stürmer, trotz des Konkurrenzkampfes verstehen, dass ein Assist dem Verein, Team und vor allem sich selbst nützt. Oft ist dem Sportler nicht ganz bewusst, dass es ein Mannschaftssport ist. Denn ohne eine funktionierende Mannschaft wären selbst Spieler wie Messi oder Ronaldo nicht so erfolgreich, wie sie es heute sind.

ESP3: Wie löst du diese Probleme? Hast du dafür eine rote Couch, auf die sich deine „Patienten“ legen müs-sen?

Christopher Görwitz: Nein. Ich besitze weder eine rote Couch noch ein Tweed – Sakko mit Ellenbogen – Patches oder trage unnö-tigerweise eine Brille, auch muss sich niemand hinlegen. Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten; entweder ich miete mir einen Raum, wir treffen uns vor Ort auf dem Vereinsgelände oder wir skypen, hier möchte ich aber betonen, dass mir der persönliche Kontakt sehr wichtig ist, weshalb ich ein Treffen Angesicht zu Angesicht natürlich präferiere.

„Unabhängig der Sportart muss der Sportler sich selbst dafür entschieden haben die Sportart auszuüben, ansonsten wird er oder sie niemals im Profibereich landen oder erfolgreich sein.“

ESP3: Wie löst du diese Probleme? Hast du dafür eine rote Couch, auf die sich deine „Patienten“ legen müs-sen?

Christopher Görwitz: Nein. Ich besitze weder eine rote Couch noch ein Tweed – Sakko mit Ellenbogen – Patches oder trage unnö-tigerweise eine Brille, auch muss sich niemand hinlegen. Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten; entweder ich miete mir einen Raum, wir treffen uns vor Ort auf dem Vereinsgelände oder wir skypen, hier möchte ich aber betonen, dass mir der persönliche Kontakt sehr wichtig ist, weshalb ich ein Treffen Angesicht zu Angesicht natürlich präferiere.

ESP3: Okay. Ihr trefft euch also und dann löst du alle Probleme?

Christopher Görwitz: Nein, ich löse gar keine Probleme. Viel eher erarbeiten wir zusammen Lösungswege.

 

ESP3: Wie muss ich mir das vorstellen?

Christopher Görwitz: Ich führe das Gespräch, durch spezifische Fragen und leite zu bestimmten Themen, sodass der Sportler den Lösungsweg selbst findet. Ist dieser schließlich gefunden setze ich dementsprechend hilfreiche Techniken ein, um den Sportler bestmöglich zu unterstützen. Strenge Vorgaben sind meiner Meinung nach nur schwierig umzusetzen. Es wäre hilfreicher, wenn der Sportler über eine hohe intrinsische Motivation verfügt, beziehungsweise wir diese aufbauen.

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ESP3: Welchen Stellenwert hat eine sportpsychologische Betreuung für dich?

Christopher Görwitz: Ehrlich gesagt würde ich die Wichtigkeit der Sportpsychologie mit der Wichtigkeit des Athletiktrainings gleichsetzen, ohne damit anecken zu wollen. Der Grund für den meiner Meinung nach hohen Stellenwert sportpsychologischer Maßnahmen ist, dass der Kopf, genauer gesagt das zentrale Nervensystem die Schaltzentrale des menschlichen Körpers ist. Trainiert man die Athletik gleichermaßen wie den mentalen Aspekt, sind die größten Leistungen zu erwarten. Deshalb besitzt die Sportpsychologie den gleichen Stellenwert, wie zum Beispiel das Athletiktraining.

 

ESP3: Welche Leistungssteigerungen sind durch eine sportpsychologische Betreuung zu erwarten?

Christopher Görwitz: Man kann sagen; je jünger/früher, umso besser/mehr. Im Profibereich sind es die vielseits erwähnten zwei bis drei Prozent, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

 

ESP3: Also müsste man deiner Meinung nach optimalerweise dreimal wöchentlich zum Sportpsychologen? 

Christopher Görwitz: Nein. Im Vergleich zum Athletiktraining reicht es aus, sportpsychologische Maßnahmen in einem größeren Abstand zu integrieren – zum Beispiel monatlich.

ESP3: Was sollte ein Spieler in der heutigen Zeit mitbringen?

Christopher Görwitz: Drei Dinge. Unabhängig der Sportart muss der Sportler sich selbst dafür entschieden haben die Sportart auszuüben, ansonsten wird er oder sie niemals im Profibereich landen oder erfolgreich sein. Des Weiteren muss man offen für Neues sein und der letzte meiner Meinung nach, sehr wichtige Punkt ist das Zwischenmenschliche. Der Draht zum Trainer, Mitspielern oder Funktionären im Verein.

 

ESP3: Was glaubst du was die größten Probleme im Kosmos des Profisports sind.

Christopher Görwitz: Negativer Egoismus. Leistungsdruck beziehungsweise die Einflussnahme von außen und fehlende Empathie.

 

ESP3: Gibt es allgemeine Tipps oder Rituale, um mit der körperlichen und mentalen Belastung besser umgehen zu können?

Christopher Görwitz: Ja, selbstverständlich. Am Besten wäre es sich fixe Zeiten zu schaffen, um regelmäßig über die eigene Situation nachzudenken. Das kann zum Beispiel während der Bahnfahrt sein, wichtig ist nur, dass diese selbstreflektorischen Maßnahmen regelmäßig absolviert werden. Typische Fragen in diesem Selbstgespräch können zum Beispiel sein „Was brauche ich?“, „Wie bin ich in diese Situation gekommen?“ oder „Was will ich erreichen?“.

Vielen Dank für deine Zeit und die interessanten Einblicke. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

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