Stefan Santanius im ESP3 – Interview

Direkt zum Einstieg, und damit die Leute die Person Stefan Santanius etwas besser einordnen können, würde ich von dir gerne erfahren, welcher Berufswunsch dir in jungen Jahren vorgeschwebt hat?

Stefan Santanius:

Fußballprofi, tatsächlich. Was hätte es auch anderes sein sollen (lacht) Mein Vater und auch Onkel waren es beide und da war der Berufstraum schnell klar.

ESP3: Der Fußball war es auch der dich zumindest indirekt zu deinem jetzigen Berufsfeld und deiner anderen Passion leitete. Wann war für dich klar, dass du in dieser Sparte arbeiten möchtest und warum?

Stefan Santanius: Das ist eine gute aber nicht schnell zu beantwortende Frage. Ich bin tatsächlich glücklicherweise Stück für Stück tiefer in die Sache reingerutscht. Ich muss dafür aber ein wenig ausholen. Von 12 bis 14 gab es mich tatsächlich nichts anderes als Fußball. Ich war in der südbadischen Auswahl und hatte natürlich den Traum Profifußballer zu werden. Ich war Stürmer schnell und abschlussstark. Im Alter von 14/15 Jahren, es kennen sicher viele, wurden andere Sachen plötzlich wichtiger. Retrospektiv gesehen hatte ich einfach den falschen Umgang zu dieser Zeit und eine Clique in der Party, Alkoholkonsum oder auch Rauchen wichtiger war. Hier hab ich leider den Fokus verloren. Ich habe also die wichtige Entwicklungsphase von 14-17 Jahren im Fußball verpasst. Als sich die pubertäre Phase mit 17 endlich dem Ende neigte, habe ich den Entschluss gefasst nochmal angreifen zu wollen und den Weg in den bezahlten Fußball zu gehen. Habe dann natürlich aufgehört zu Rauchen und die Male an denen ich einen Sekt-Orange, zu Silvester oder ähnlichen Tagen, getrunken habe, kann ich seitdem an einer Hand abzählen. Ich begann also wieder mit dem Fußball spielen und trainierte nebenher individuell so viel, dass das fast schon professionelle Züge hatte. (lacht) Mein Ehrgeiz war wieder geweckt und der Fokus zurück. Alles lief super, ich traf wie am Fließband und hatte Spaß am Spiel. Wechselte auch wieder in eine höhere leistungsbezogene Liga. Hier bremste mich dann aber eine chronische Mandelentzündung aus, die einherging mit einem Gewichtsverlust von 11-12kg. Was nicht gerade förderlich war, ich aber in den Griff bekam.

ESP3: Aus dieser chronischen Mandelentzündung resultierte später deine chronische Schambeinentzündung, verbunden mit einer Odyssee an Ärztebesuchen.

Stefan Santanius: Genau, es folgten fast zwei Jahre in der es eine Fehldiagnose nach der anderen gab. Eine Zeit in der ich im Nachhinein gesehen, aufgrund meiner eigenen Unwissenheit, viel Lehrgeld zahlen musste. Auf Empfehlung meines behandelnden Arztes kaufte ich mir sogar eine Packung der Nahrungsergänzung Bromelain, die er für 60€ verkaufte, geschmacklich lecker aber überteuert und überhaupt nicht zielführend. Nach gut zwei Jahren und mehreren Ärztewechseln fand ein Doc dann endlich die wahre Ursache meiner Schmerzen heraus. Während dieser Odyssee, in der ich mich so ratlos und auch frustriert gefühlt habe, reifte der Gedanke, so etwas nicht nochmal mitmachen zu müssen. Ich wollte also mehr zu diesen Themen erfahren und mir Wissen aneignen. So führte mich das Ganze zu meiner Ausbildung auf der Sportschule in Stuttgart. Hier war dann leider schnell klar, dass ich mit dem Fußball spielen aufhören musste, weil mich die Verletzung immer ausbremste und auch Einfluss auf meine Ausbildung hatte. Ich musste mich also schweren Herzens dafür entscheiden den Fußball ruhen zu lassen. Da ich seit meinem dreizehnten Lebensjahr Krafttraining betreibe, kam es in bereits zu Beginn meiner Ausbildungszeit häufig vor, dass Menschen mich um Rat im Training fragten. Ich trainierte also mit den Leuten erstellte Trainingspläne, gab Tipps und korrigierte. Um das Ganze nicht schwarz aufzuziehen, meldete ich mein erstes Kleingewerbe also schon während meiner Ausbildungszeit an. Nach Ausbildungsende zog ich zurück an den Bodensee, wurde Studioleiter eines Fitnessstore und arbeitete nebenher weiterhin mit Klienten.

“Im Grunde möchte ich, dass die Nutzer genau das vorfinden was ich damals gebraucht hätte. Alles was ich heute anpacke, schreibe und starte mache ich mit dem Gedanken meinem früheren Ich hätte helfen zu können.”

ESP3: Das war bekanntlich noch nicht das Ende. Du bist ja zurzeit auch noch als Dozent für verschieden Institute tätig.

Stefan Santanius: Richtig, das begann damals und hält bis heute an, nebenher absolvierte ich noch erfolgreich  meine Zusatzausbildung zum Sporttherapeuten und seit 1 ½ Jahren arbeiten wir zusammen an ESP3, um Mal im hier und jetzt anzukommen. (lacht)

ESP3: Dann betreiben wir doch mal ein bisschen Eigenwerbung und kommen auf uns zu sprechen. (lacht) Was ist bei ESP3 wichtig und welches Konzept verfolgen wir?

Stefan Santanius: Das Konzept ist klar definiert. Wir verfolgen den ganzheitlichen Ansatz. Es ist oftmals so, dass eine Sache als das Wichtigste angeführt wird. Der Eine nennt da die Ernährung der andere beispielsweise Neuroathletisches Training. Wir vereinen jegliche Aspekte, weil wir um die Wichtigkeit jeder einzelnen Komponente wissen. Ich hab mich also selbst gefragt, was kann ich und worin bin ich gut? Natürlich aber auch die Gegenfrage, in welchen Kompetenzen ist mein Wissen eben nicht ausreichend? Aufgrund dieser nennen wir es Inventur habe ich mir ein Team zusammengestellt, das mich hervorragend ergänzt und wir so viele Facetten ganzheitlich abdecken können. Das hat sich alles step by step entwickelt.

ESP3: Im Laufe der Zeit kam unter anderem viel Bild- und Videomaterial, kreiert durch  Ferdy, unseren Kreativmann für Bild und Fotografie, zusammen. Auf dieser Grundlage kamen wir auf die Idee eine Membership ins Leben zu rufen. Erkläre kurz was einen dort erwartet.

Stefan Santanius: Damit haben wir uns unseren eigenen Mikrokosmos geschaffen in dem man jeglichen Content wiederfindet, wie beispielsweise Fachartikel zur Sporternährung, Verletzungsprävention, ein Übungsarchiv, Rezepte, Webinare, einfach alles was das Sportlerherz begehrt.

ESP3: Was wünscht du dir was die Nutzer auf dieser Seite erleben, welchen Nutzen sollen sie dabei rausziehen?

Stefan Santanius: Im Grunde möchte ich, dass die Nutzer genau das vorfinden was ich damals gebraucht hätte. Alles was ich heute anpacke, schreibe und starte mache ich mit dem Gedanken meinem früheren Ich hätte helfen zu können.  Aus diesem Grund ist die Membership für Vereinstrainer/innen und Nachwuchsspieler/innen auch kostenlos. Ich möchte, dass die Trainer/innen ihren Spielern/innen etwas an die Hand geben und unterstützen können. Die Spieler/innen sollen das finden was sie dazu bringt das Maximum aus ihren Fähigkeiten herauszuholen. Ziel ist es natürlich auch, dass sich dort eine Community findet, die die gleichen Interessen hat und sich im Laufe der Zeit auch austauschen kann. Vom ambitionierten Kreisligaspieler bis hin zum Jungprofi.

EAT LIKE A PRO

ESP3: Bleiben wir bei den Inhalten, mit welchem Thema hast du dich die letzten Tage auseinandergesetzt?

Stefan Santanius: Das war tatsächlich die Ernährung, da habe ich einige Artikel zu verfasst.

ESP3: Ein durchaus interessanter Aspekt, welchen Stellenwert hat die Ernährung für dich im Sport?

Stefan Santanius: Einen sehr bedeutenden. Grundsätzlich sage ich Ernährung ist nicht alles, ohne Ernährung ist aber alles nichts. Es ist einfach ein zentraler Baustein, gerade im Hinblick auf die Ernährungsweise mancher Sportler, von der Gesamtgesellschaft ganz zu schweigen. Die Ernährung ist elementar für die Leistungsfähigkeit am Spieltag, die Regeneration oder Verletzungsprävention und Rehabilitation. Ernährungsstrategien haben direkten Einfluss auf Dinge, wie Leistung, Wundheilung und Regeneration. Man kann also die berühmten Prozente damit rauskitzeln.

ESP3: Ernährung ist ein allgegenwärtiges Thema, gerade hier häufen sich aber oft Mythen und Halbwissen. Stichwort Kohlenhydrate nach 18 Uhr oder bei der Nahrungsergänzung BCAAs.

Stefan Santanius: (lacht) Da gibt es noch einiges mehr. Das Ganze hat zu dem Zeitpunkt angefangen als die Menschen das erste Mal ausreichend Nahrung hatten und Leistung bringen mussten, Beispiele hier wären die Gladiatoren Roms oder alten Griechen und Ägypter zuvor. Hast du das nicht, hinterfragst du auch nicht sondern isst. Zu dieser Zeit wurde sich also schon mit der Ernährung beschäftigt und es entstanden bereits die ersten Mythen. Die Mythen von heute entstanden durch mehrere Gründe. Bei BCAAs beispielsweise die Unwissenheit und das Bewerben des Produkts mit dieser Unwissenheit. Heute ist die Forschung da natürlich weiter und man weiß, 15 g essentielle Aminosäuren inklusive 3 g Leucin sind ideal, um die Muskelproteinsynthese zu stimulieren. Man kann also auch einfach sagen, dass diejenigen, die den Mythos heute noch aufrecht erhalten und BCAA damit bewerben, das aus Profitgier machen. Das gilt in 99% der Fälle auch für Kohlenhydrate nach 18 Uhr und vieles mehr.  Die Digitalisierung trägt dann ihren Teil dazu bei, dass sich diese Flut an Informationen verbreitet.

“Genau, es folgten fast zwei Jahre in der es eine Fehldiagnose nach der anderen gab. Eine Zeit in der ich im Nachhinein gesehen, aufgrund meiner eigenen Unwissenheit, viel Lehrgeld zahlen musste.”

ESP3: Gerade in der Nahrungsergänzungsmittelbranche sind etliche Produkte auf dem Markt. Viele verkaufen sich tatsächlich auch durch die Unwissenheit der Konsumenten besonders gut. Wie bewertest du das?

Stefan Santanius: Erfahrungsgemäß spielt das Trainingsalter da eine entscheidende Rolle. Mit Angst, Gesundheit und Hoffnung auf Erfolg verdient man am meisten Geld. Das finde ich fahrlässig. Die Produkte werden natürlich auch clever vermarktet, das trägt seinen Teil dazu bei. Mein Appell ist nicht als absoluter Neuling mit Nahrungsergänzung zu beginnen, egal ob beim Thema Gesundheit oder Fitness. Das Wichtigste ist es die Grundlagen der Ernährung zu lernen und dann zu schauen, ist Nahrungsergänzung überhaupt notwendig. Generell sind Nahrungsergänzungsmittel abseits des Profisports immer eine Kann und nicht Muss-Entscheidung.

ESP3: Du versuchst diesen Bereich übersichtlicher zu machen. Kannst du uns erläutern wie?

Stefan Santanius: Ich schreibe gerade eine Art supplement-sales-man, einen Führerschein für Nahrungsergänzungsmittel wenn man so will, in dem alle Fragen zur Nahrungsergänzung beantworten werden. Jedes Nahrungsergänzungsmittel lässt sich einer Kategorie zuordnen, anhand derer man sagen kann, bringt mir dieses Produkt etwas um mein Ziel zu erreichen, sollte ich es mit anderen Produkten kombinieren oder sollte ich es eben gar nicht konsumieren. Hier wollen wir mit unserem Online-Kurs Klarheit schaffen und auf Dinge wie Regulierung und die Kölner-Liste etc. eingehen. Das ist für den Endverbraucher einfach zielführender und im Endeffekt geldsparender.

ESP3: Kommen wir zu einem Thema, das unser aller Leben gerade massiv beeinflusst und auch einschränkt. Man ahnt es Corona. Vielen Menschen fehlt es an Bewegung, man kann seinem wöchentlichen Trainingspensum nicht mehr nachgehen, manchen Leuten  fällt es schwer sich richtig zu ernähren. Welche Tipps hast du für Menschen, die vielleicht gerade sogar in der Quarantäne stecken?

Stefan Santanius: Der Trainingspart betrifft mich ja auch stark. In Quarantäne ist das Ganze natürlich nochmal schwieriger. Es ist auch einfach eine schwer zu beantwortende Frage. Grundsätzlich gilt immer, mache das Beste daraus. Wenn man jetzt 4-8 Wochen gar nichts macht, sich vielleicht sogar gehen lässt, ist es das Falscheste was man machen kann. Ich sehe es sogar als eine Art Test an, ein Test gegen einen sehr großen Widerstand. Es ist für uns eine noch nie da gewesene Situation und es gab mit Sicherheit noch keinen schwierigeren Zeitpunkt eine sportliche Leistungsfähigkeit aufzubauen, wie in diesen Tagen. Jetzt zeigt sich im Grunde auch wer das Ganze richtig ernst nimmt. Der zweite Tipp ist seine Prioritäten anders zu setzen. Es ist beispielsweise gerade eher unwahrscheinlich, dass ich meine Maximalkraft beim Kreuzheben steigere, deswegen habe ich mich den Umständen angepasst und trainiere mit anderem Fokus und dem was ich zur Verfügung habe. Ich zum  Beispiel trainiere 4-mal die Woche Kraft, mit mehr Wiederholungszahl als sonst, kürzeren Pausen und mehr Sätzen. Zusätzlich habe ich das Glück direkt am Wald zu wohnen und kann viel plyometrisches und Schnelligkeitstraining machen. Es geht wirklich darum seinen Horizont in Sachen Training zu erweitern und sich auch mal auf Dinge zu konzentrieren die sonst im Training zu kurz kommen. Beweglichkeit beispielsweise. Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass alle die sich jetzt nicht unterkriegen lassen und dran bleiben später mental enorm davon profitieren werden. Sei es bei Verletzungen oder anderen einschneidenden Lebenssituationen.

ESP3: Bleiben wir zum Abschluss bei den Tipps. Kannst du uns drei allgemeine Tipps für Sportler auf den Weg geben?

Stefan Santanius:

Tipp 1 Wichtig ist vor allem, dass man Spaß hat an dem was man tut. Heißt wenn du Bock auf Kugelstoßen hast mach Kugelstoßen, wenn du Bock auf Handball hast spiele Handball. Ich hab oft erlebt, dass bei vielen der vorherrschende Begriff Disziplin lautet. Disziplin ist aber endlich, vor allem in solchen Ausnahmesituationen wie jetzt. Viele begehen den Fehler fehlende intrinsische Motivation mit Disziplin kaschieren zu wollen. Hinterfragt euch ob ihr die Sachen gerne macht, denn nur dann werdet ihr Erfolg haben. 

Tipp 2 Trainiere sportartspezifisch, bist du Fußballer, hast Spaß daran und willst erfolgreich sein, bringt es dich nicht weiter dich 3-4 Mal die Woche im Fitnessstudio komplett auszupowern. Das Gleiche natürlich auch bei dem Aspekt der fußballspezifischen Ausdauer. Zieh eben nicht deine Laufschuhe an und drehe stupide deine Runden, sondern schnapp die das Spielgerät und simuliere spielnahe Situationen. Es gilt wirklich einzig und allein, trainiere deiner Sportart und Individualität entsprechend. Beides ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr möglich.       

Tipp 3 ein dickes Fell, das Thema hatten wir vorher schon. Versucht an jedem Widerstand zu wachsen. Selbst die Biologie zeigt das Fortschritt, in Form von Muskelwachstum, nur mit Widerstand erreicht werden kann.

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