In diesem Artikel soll Klarheit darüber geschaffen werden ob Krafttraining für Kinder & Jugendliche sinnvoll ist, oder nicht. Leider gibt es auch hier, wie auch bei vielen anderen Themen, keine Schubladenantwort in Form von gut oder schlecht, richtig oder falsch oder dergleichen, da es sich hierbei um ein sehr komplexes Thema handelt, das man differenziert betrachten muss, um diverse Aussagen und Empfehlungen besser verstehen und einordnen zu können. Deshalb sollte vorab Klarheit über diverse Begriffe geschaffen werden, damit es keine Missverständnisse gibt. Mit dem Begriff Kinder sind hier Heranwachsende ab zwei Jahren bis zum Beginn der Pubertät, gemeint. Vorpubertär sind all diejenigen die noch nicht das zwölfte Lebensjahr abgeschlossen haben und als Jugendliche werden all diejenigen bezeichnet, die sich zwischen dem zwölften und 18. Lebensjahr befinden. Mit der Frage ob und in welcher Form Training beziehungsweise Krafttraining für Kinder und Jugendliche sinnvoll ist beschäftigen sich schon sehr lange unzählige Verbände, Vereine, Experten, usw. Einerseits wird argumentiert, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und deshalb auch nicht so trainiert werden können, was auch komplett richtig ist. Anderseits sind die positiven Effekte eines gut geplant und durchgeführtem Krafttraining nicht von der Hand zu weisen. Da es sich hierbei um ein sensibles Thema handelt polarisiert es selbstverständlich. Es geht auch um das Wichtigste das wir haben, die nächste Generation, unsere Kinder.

Krafttraining und sportliche Leistungsfähigkeit

Die Verbesserung und Optimierung der sportlichen Leistungsfähigkeit ist eine komplexe Aufgabe, nicht nur bei Kindern- und Jugendlichen. Um ein hohes Maß an Athletik zu erreichen, bedarf es vor allem eine stabile Langzeitplanung mit kurzfristigen Etappenzielen. Ein gut geplantes und durchgeführtes Krafttraining auf das Alter und Entwicklungsstand angepasst ist hierbei eine adäquate Option. Durch Krafttraining wird eine solide Basis für jedes Anforderungsprofil einer Sportart geschaffen. Die unzähligen Vorteile sind bekannt. Einer DER Vorteile bei angepassten Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen ist die langfristige Konditionierung auf ein sportliches Leben. Erst dann kommen meiner Meinung nach Punkte wie ein verbessertes Selbstbewusstsein oder eine wünschenswerte Körperzusammensetzung. Darüber hinaus sind sportliche Kinder und Jugendliche die regelmäßig Krafttraining betreiben nachweislich leistungsfähiger. Leistungsfähigere Sportler können taktische Vorgaben und komplexe Bewegungen einfacher lernen und im Wettkampf besser umsetzen. Zudem kann durch ein adäquates Krafttraining das Verletzungsrisiko reduziert werden. Es sollte allerdings erwähnt werden, dass auf das biologische Alter und den psychischen Reifegrad geachtet werden und das Training danach angepasst werden sollte.

Kraft

Die Fähigkeit hohe Kräfte entwickeln zu können ist für die sportliche Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen und in allen Sportarten wichtig. Dabei spielt die sogenannte Maximalkraft die dominante Rolle. Die Maximalkraft wird auch die Mutter aller Kraftarten genannt, weil sie alle anderen Kraftarten wie zum Beispiel die Kraftausdauer maßgeblich beeinflusst. Darüber hinaus besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Kraft und Sprung- sowie Sprintleistung. Wie viel Kraft letztendlich entwickelt werden kann hängt von mehreren Faktoren ab, wie beispielsweise vom Muskelquerschnitt, neuronaler Anpassungen, Einstellung sowie hormonelle Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Vor allem bei Kindern verläuft die Entwicklung der Kraft nicht linear. Während sich bei Mädchen ab dem 14. Lebensjahr ein Plateau bildet, steigt die Kraft der Jungen sprunghaft an. Umgangssprachlich würde man es „der hat einen Sprung gemacht“ nennen. 

Schnelligkeit

Die Entwicklung der Schnelligkeit wird genau wie die Entwicklung der Kraft während der gesamten Kindheit von mehreren Faktoren beeinflusst und geprägt und verläuft ebenfalls nicht linear. Faktoren sind hierbei zum Beispiel das Wachstum des Muskelquerschnitts, biologische und metabolische Veränderungen, die neuromuskuläre Entwicklung und die Veränderung der biomechanischen Faktoren und Koordination. Vor allem bei Jungs wird die Schnelligkeit von der Gewichtszunahme negativ beeinflusst. Krafttraining kann hierbei helfen indem es die Körperzusammensetzung wünschenswert verändert wodurch sämtliche konditionelle Fähigkeiten gefördert werden. 

Krafttraining & Gesundheit

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird besonders ein Auge auf die Gesundheit geworfen. Körperliche Bewegung wird mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen bei Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang gebracht. Allerdings haben jüngste Ergebnisse gezeigt, dass Krafttraining auch in diesem Lebensabschnitt einzigartige Vorteile im Vergleich zu allgemeiner Bewegung und anderen sportlichen Betätigungen aufweist. Zum Beispiel kann Krafttraining wie keine andere sportliche Betätigung die Körperzusammensetzung positiv beeinflussen, kardiovaskuläre Beschwerden treten bei Personen, die bereits im Jugendalter regelmäßig Sport betrieben haben seltener auf, die Insulinsensitivität wird verbessert, die Knochendichte gefördert, dass psychische Wohlbefinden verbessert. Vor allem für übergewichtige Kinder scheint Krafttraining die erste Wahl zu sein. Denn wie schon erwähnt schafft es Krafttraining wie keine andere sportliche Betätigung die Körperzusammensetzung positiv zu beeinflussen, darüber hinaus wird das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein gestärkt. Das vor allem für solche Kinder von immenser Bedeutung sein kann.

Knochenentwicklung

Heute weiß man, dass Krafttraining das Knochenwachstum, die Geometrie und die Mineraldichte vor allem bei Kindern und Jugendlichen fördert. Das ist wiederum wichtig, da in diesem Lebensabschnitt sozusagen das Fundament für gesunde und stabile Knochen gelegt wird Neben einer Ausreifung der Skelettknochen werden somit Frakturen vorgebeugt. Anders als früher angenommen hat Krafttraining in jungen Jahren keinerlei negative Effekte auf das Längenwachstum von Kindern und Jugendlichen. Im Gegenteil, es gibt sogar Hinweise das Krafttraining sich sogar positiv auf die Wachstumsplatten der Knochen auswirkt.

„Wird bereits in der Frühphase der Entwicklung der koordinative Grundstein gelegt, haben es diese Kinder beziehungsweise Jugendlichen später leichter komplexe Übungen wie zum Beispiel die Kniebeuge zu erlernen. Dadurch wird Verletzungsrisiko gesenkt und die Fortschritte gewährleistet. „

Herzkreislauf Entwicklung

Es gibt Hinweise gesicherte Hinweise, dass Herz – Kreislauf – Erkrankungen sich bereits im Jugendalter entwickeln können, die im Erwachsenenalter dann behandlungswürdig werden. Da die Zahl von adipösen Kindern und Jugendlichen zu steigen scheint, ist das ein gut untersuchtes Gebiet. Krafttraining hat auch hier positive Effekte. Denn neben der verbesserten Körperzusammensetzung, unterstützt eine gut ausgebildete Muskulatur das Herz – Kreislauf – System. Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass Personen die im Kindes- und Jugendalter regelmäßig Sport beziehungsweise Krafttraining absolviert haben seltener an kardiovaskulären Beschwerden erkranken.

Neuromuskuläre Entwicklung

Oft werden im Kindes- und vor allem im Jugendalter, mit dem Eintreten der Pubertät diverse Kontrolldefizite in Form von zum Beispiel schlechten Sprung- und Landemuster beobachten. Dadurch erhöht sich die Verletzungsgefahr. Man kann beobachten, dass Jugendliche, die vor allem im Kindesalter koordinativ gut geschult wurden weniger auffällig sind. Ein ehemaliger Dozent von mir sagte mal, dass man Kinder koordinativ nicht überfordern könne. Damit hat er wohl Recht. Wird bereits in der Frühphase der Entwicklung der koordinative Grundstein gelegt, haben es diese Kinder beziehungsweise Jugendlichen später leichter komplexe Übungen wie zum Beispiel die Kniebeuge zu erlernen. Dadurch wird Verletzungsrisiko gesenkt und die Fortschritte gewährleistet. 

Wann sollten Kinder mit Krafttraining beginnen?

Die Antwort darauf ist wohl etwas unbefriedigend für einige unter euch. Es kommt einfach drauf an. Es ist keine pauschale Antwort möglich beziehungsweise wäre es schon möglich. Oft wird Kindern- und Jugendlichen davon abgeraten Krafttraining zu absolvieren, weil einfach die nötigen Fachkräfte für die Planung und Durchführung fehlen. In der Hoffnung, dass die Kinder und Jugendliche sich nicht schädigen rät mal dann lieber von Krafttraining ab. Generell gilt es diverse altersgerechte Vorgaben für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen zu beachten. Diverse Krafttrainingsprogramme sollten nur von fähigen Fachleuten geplant und durchgeführt werden. Andernfalls bringt auch das Beste Programm nichts. Darüber hinaus besteht unter den Kindern ein natürliches Ungleichgewicht in der Entwicklung. Es wird Kinder geben, die mit Leichtigkeit alles neu Erlernen während es anderen Kindern eher schwerfällt. Deshalb ist auf den individuellen Entwicklungsstand zu achten, statt stupide nach der Zahl auf dem Papier zu gehen. Während vor allem im vorpubertären Alter auf die adäquate Ausbildung der koordinativen Fähigkeiten geachtet werden sollte, verändert sich mit dem Eintritt der Pubertät das Gesamtbild drastisch. Sind die Grundlagen im vorpubertären Alter gelegt worden, sind große Leistungssprünge mit dem Eintreten der Pubertät zu erwarten. Das liegt unter anderem an der veränderten hormonellen Situation, in der sich Jugendliche nun befinden.

Fazit

Krafttraining ist heutzutage eine allgemein anerkannte und weit verbreite Trainingsmethode, auch für Kinder- und Jugendliche. Trotz früherer Bedenken, dass Krafttraining sich negativ auf die Entwicklung auswirken könnte, scheint es heute so als wäre das Gegenteil der Fall. Positive Effekte und Auswirkung sind schon relativ lange bewiesen. Neben einer langfristigen Konditionierung von Kindern- und Jugendlichen auf ein sportliches Leben, senkt sich nebenbei das Verletzungsrisiko, die Körperzusammensetzung wird positiv beeinflusst wie bei keiner anderen Sportart, verbessertes psychisches Wohlbefinden, es können signifikante Leistungsverbesserungen bei der Muskelkraft, Ausdauer und Schnelligkeit erzielt werden, darüber hinaus verbessert sich die Stabilität und die koordinativen Fähigkeiten wie zum Beispiel das Gleichgewicht, und so weiter. Eigentlich scheint die Frage aus der Überschrift bereits beantwortet. Dennoch muss man etwas weiter ausholen. Krafttraining für Kinder- und Jugendliche kann sinnvoll sein, sofern diverse Voraussetzungen erfüllt werden. Da unter den Kindern- und Jugendlichen große individuelle Unterschiede in zum Beispiel Körpergröße, Körpergewicht und vor allem bei den koordinativen Fähigkeiten herrschen, sollte vor allem auf den Reifegrad und die individuelle Entwicklung geachtet werden. Darüber hinaus benötigt es qualifiziertes Fachpersonal, um adäquate Krafttrainingsprogramme für Kinder- und Jugendliche zu erstellen und vor allem durchzuführen. Fazit: Man kann Kinder- und Jugendliche sorgenfrei Krafttrainingsprogramme durchführen lassen sofern qualifiziertes Fachpersonal die Steuerung und Aufsicht übernimmt. Ist das nicht der Fall rate ich davon ab Kinder- und Jugendlich unbeaufsichtigt und auf eigene Gefahr in den Kraftraum zu schicken.

Literatur

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