Früher oder später verletzt sich wohl jeder Sportler, insbesondere Athleten aus Kontaktsportarten, wie Fußball oder Basketball sind vergleichsweise oft und schwer betroffen. Der Körper reagiert direkt nach dem Unfall mit den bekannten Symptomen wie Schwellung, Rötung, Wärme, Funktionsverlust und Schmerz. Das sind allerdings nicht nur Symptome einer Verletzung, sondern auch Zeichen dafür, dass der Körper die Wundheilung einleitet. Zwei Begriffe müssen im Zusammenhang mit Verletzungen genauer betrachtet werden; Schmerz & Entzündung.

Was ist Schmerz?

Laut der Weltschmerzorganisation, der „Association for the Study of Pain“, kurz IASP ist Schmerz:

„Ein unangenehmes Sinnes- & Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“.

Schmerz ist allerdings per se nichts Schlechtes, im Gegenteil. Das Schmerzempfinden ist ein überlebenswichtiges Warnsignal und dient den Körper vor Verletzungen oder größeren Schädigungen zu warnen, beziehungsweise zu schützen. Schmerz kann in zwei Untergruppen aufgeteilt werden. Zum einen in den akuten und zum anderen in den chronischen Schmerz. Wobei wir hierbei den akuten Schmerz in den Fokus nehmen. Dieser ist ein Warnsignal und Symptom zugleich. Er tritt bei Gewebeschädigung oder Verletzung auf. Darum ist er in der Regel auf den Unfallort, als auch zeitlich begrenzt. Die Intensität des Schmerzes hängt vom Ausmaß der Verletzung und dem subjektiven Empfinden ab. Ein Knochenbruch schmerzt unter normalen Umständen selbstverständlich mehr als eine Prellung, dass ist klar.

Entzündungen

Entzündungen sind körpereigene Reaktionen auf schädliche Reize, die sich klassischerweise durch die Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz & funktionelle Bewegungseinschränkung äußern. Auch physiologische Entzündungsreaktionen sind nichts Schlechtes, im Gegenteil. Genauer gesagt ist eine Entzündung die erste Phase der Wundheilung, an der vor allem das Immunsystem entscheidend beteiligt ist. Diverse Botenstoffe des Immunsystems bewirken dabei eine Erweiterung der Blutgefäße, sodass das Wundgebiet stärker durchblutet und somit mit Nährstoffen versorgt wird. Darüber hinaus gelangen diverse Immunzellen zum Wundgebiet und verrichten ihre Arbeit, in dem sie zum Beispiel Krankheitserreger und Fremdstoffe aus dem Gewebe entfernen. Eine Vielzahl von Prozessen läuft hierbei gleichzeitig ab. Oft wird leider genau in der Akutphase, nach einer Verletzung eingegriffen, und zwar so eingriffen, dass es negative Folgen hat und sich die Verletzung im schlimmsten Fall chronifiziert oder sich Folgebeschwerden daraus entwickeln können. Denn das System der Wundheilung ist eine aufeinander perfekt abgestimmte Kaskade einer Vielzahl von verschiedenen physiologischen Prozessen. Selbst die typischen Symptome einer Verletzung, wie zum Beispiel eine Schwellung mit der dazugehörigen Bewegungseinschränkung, gehört zu dieser ausgeklügelten Kaskade. Durch die Schwellung werden Substanzen, wie zum Beispiel die Arachidonsäure, Proteine, Makrophagen, Mastzellen und Thrombozyten vermehrt in das Wundgebiet transportiert, wodurch die Wundheilung gefördert wird. Die Bewegungseinschränkungen mögen zwar störend sein, allerdings wird so verhindert, dass das verletzte Gewebe zu früh und zu stark belastet wird. Hiermit hat jedes Symptom seinen Sinn und Zweck bei der Wundheilung und sollte respektiert werden.

Widmen wir uns dem eigentlichen Thema

Nachdem nun geklärt ist was Schmerzen und Entzündungen sind und was sie bewirken sollen, widmen wir uns nun dem eigentlichen Thema. Den Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Hierbei soll es hauptsächlich um drei Gruppen von Schmerz- beziehungsweise entzündungshemmenden Medikamenten gehen, die häufig bei Verletzungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates empfohlen und eingenommen werden. Dazu zählen:

Nicht – steroidalen – Antirheumatika, auch bezeichnet als: Antirheumatika, NSA, NSAID, NSAR

wie beispielsweise:

  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Celecoxib
  • Piroxicam

Nicht – opioide Schmerzmittel, wie beispielsweise:

  • Acetylsalicylsäure

Glukokortikoide, wie beispielsweise:

  • Hydrocortison und seine Derivate

Um zu verstehen weshalb die Einnahme von zum Beispiel Ibuprofen, direkt nach einer Verletzung einen negativen Einfluss auf die Wundheilung besitzt, solltest du Grundkenntnisse der Wundheilung genauer gesagt der Akutphase besitzen. Solltest du diese nicht haben, hole ich dich kurz ins Boot.

Genauer betrachtet hat eine Verletzung diverser Zellen eine Veränderung des pH – Wertes und des Sauerstoffgehaltes zur Folge, die wiederum eine ganze Kaskade von Ereignissen auslöst. Wie zum Beispiel das Aktivieren diverser Enzyme (Cyclooxigenase oder Lipoxygenase), wodurch Substanzen wie Prostaglandine, Leukotrine und weitere Substanzen entstehen, die die Wundheilung einleiten. Neben interzelluläre Substanzen, wie zum Beispiel der Matrix, Kollagen (besteht zum großen Teil aus den Aminosäuren Glycin, Prolin, Hydroxyprolin & Hydroxylysin), Elastin und Proteoglykane, zählen zu unserem Bindegewebe auch Immunzellen wie die Mastzellen, Makrophagen und einige weitere, die eine entscheidende Rolle in dieser Kaskade einnehmen. Nicht nur weil sie Krankheitserreger eliminieren, sondern darüber hinaus weitere Schritte der Kaskade einleiten, wie zum Beispiel das „herbeirufen“ der Fibroblasten, also den Zellen, die in der Lage sind neues Bindegewebe zu bilden. Dies geschieht durch den Fibroblast Growth Factor, kurz FGF. Allerdings erst nachdem die Akutphase, nach maximal zehn Tagen weitergehend abgeschlossen ist. Fibroblasten werden anfangs durch das Immunsystem und deren Zellen „gelenkt“, später allerdings benötigen sie Bewegung, sprich funktionelle Reize.

Um es an dieser Stelle deutlich zu erwähnen, die Entzündungsphase also die Phase in der sich vor allem Immunzellen im Wundgebiet befinden, ist essentiell für den weiteren Wundheilungsverlauf. Im Anschluss an die Entzündungsphase, die nach circa zehn Tagen abgeschlossen sein sollte, folgt die Proliferationsphase. Erst in dieser Phase beginnen die Fibroblasten neues Bindegewebe zu bilden. Während in der Akutphase eine Ruhigstellung durchaus sinnvoll sein kann, ist während der Proliferationsphase „schmerzfreie“ Bewegung für einen optimalen Wundheilungsverlauf entscheidend. Hierbei sollte mit einer Schmerzskala gearbeitet werden und darauf geachtet werden, dass die angegeben Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn bei maximal vier/fünf liegen. Zudem dürfen Cofaktoren aus der Ernährung, wie zum Beispiel das Vitamin C ebenfalls nicht fehlen. Da der Turn Over von Bindegewebe, genauer gesagt Kollagen – Typ – 3 (Sehnen, Bänder, Faserring der Bandscheibe) zwischen 300 und 500 Tagen dauert sollte es einleuchtend sein, dass ungefähr so lange auch die dritte und somit abschließende Phase der Wundheilung, die Remodelleriungsphase dauert. Man sollte sich zudem bewusst machen, dass man bei der Rehabilitation einer Verletzung Strukturen repariert, jedoch nicht weiterhin Gewebe aufbaut werden, wie es bei verletzungsfreien Sportlern der Fall ist.

Cyclooxigenase 2

Um nochmal auf die genannten Enzyme zurück zu kommen. Genau dort greifen entzündungshemmende Wirkstoffe ein und verhindern somit einen entscheidenden Teil der Wundheilung, in dem sie die Akutphase stören. Diese Medikamente nennen sich nicht umsonst COX – 2 – Hemmer, ähnlich wie das zu hemmende Enzym Cyclooxigenase 2. Obwohl diese Medikamente selektiv wirken und somit das Cyclooxigenase – 1 – Enzym nicht beeinflussen, können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Hautausschläge auftreten. Durch die Einnahme kommen weniger Immunzellen zum „Unfallort“, die wiederum keine Fibroblasten „anlocken“. Somit ist der gesamte Vorgang, den ich in den letzten Zeilen grob beschrieben habe, gestört und verzögert. Denn wie bereits erwähnt, erst mit dem Abschließen der Akutphase beginnen diverse Zellen neues Bindegewebe zu bilden.

 

Negative- & positive Einflussgrößen

Weitere Faktoren, die die Wundheilung negativ beeinflussen können:

  • Infektionen
  • Schlafmangel
  • Insulinresistenz
  • Mangel an EPA, DHA, Arachidonsäure, Vitamin D3/A/K/C, Kupfer, Zink
  • Weitere Schädigungen durch Ungeduld

Wie du die Wundheilung positiv beeinflussen kannst:

  • ausreichend Schlaf (sieben bis zehn Stunden)
  • Bewegung im schmerzfreien Bereich
  • passende Ernährung
  • gutes Stressmanagement

 

Fazit

Jedes einzelne Entzündungssymptom an sich hat seinen Nutzen und besitzt darüber hinaus eine spezifische Aufgabe in der Kaskade der Wundheilung. Die Schwellung zum Beispiel, mit den einhergehenden funktionellen Bewegungseinschränkungen beugt unvorteilhafte Bewegungen vor. Erinnere dich an den Anfang dieses Artikels zurück. Schmerz ist ein Warnsignal und schützt uns. Schaltet man dieses Warnsignal mittels Medikamente aus, fahren wir bildhaft ausgedrückt ständig bei Rot über die Ampel. Wie oft das gut geht oder welche Konsequenzen daraus entstehen ist wohl mehr oder weniger Glückssache. Greift man also mittels Schmerz- & entzündungshemmenden Medikamenten in die Akutphase der Wundheilung ein, ist diese entscheidend gestört und die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Verletzung chronifiziert deutlich erhöht. Zusammengefasst kann man sagen, dass Schmerz- & entzündungshemmende Medikamente, wenn dann nur verantwortungsvoll, zeitlich begrenzt und in Rücksprache mit qualifiziertem Personal, eingesetzt werden sollte. Nimmt man diverse Medikamente fahrlässig ein, beeinflusst man nicht nur die Wundheilung negativ, auch die Magenschleimhaut freut sich nicht über die ständige Einnahme diverser Wirkstoffe. Darüber hinaus gewöhnt man sich an die Einnahme, dass ein gewisses „Suchtpotential“ mit sich bringt, statt das Problem zu lösen, behandelt man nur die Symptome.

Literatur

  1. Steiner, A.A. et al. (2006): Cellular and Molecular Bases of the Initiation of Fever.PLoS Biology 4(9):e284.
  2. Tom Nesi, Poison Pills: The Untold Story of the Vioxx Drug Scandal, 2008, S. 75ff
  3. Piotek, J. Toutenhahn: Physiologie der Wundheilungin H. Lippert: Wundatlas, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2006, ISBN 3-13-140832-4, S. 28–33
  4. Vasel-Biergans, W. Probst: „Wundversorgung für die Pflege. Ein Praxisbuch“, Wiss. Verlagsges. Stuttgart, Stuttgart 2011, S. 16–22
  5. Klaus-Jürgen Bauknecht, Joachim Boese-Landgraf: Wunde, Wundheilung, Wundheilungsstörung, Wundbehandlung, Tetanusprophylaxe.1988, S. 12.

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